Weiterbildung

Industriefachwirt werden

Wie der Weg zum Industriefachwirt abläuft: Entscheidung, Lehrgang, Prüfung und Abschluss im Detail.

Der Weg zum Industriefachwirt ist klar strukturiert. Er besteht aus sechs Etappen – von der Entscheidung über den Lehrgang bis zur bestandenen Prüfung. Diese Seite zeigt jede Etappe mit den typischen Fragen an dieser Station.

Etappe 1: Die Entscheidung

Am Anfang steht die Entscheidung, ob der Industriefachwirt der richtige Weg ist. Drei Fragen helfen.

Passt das Berufsbild?

Wer kaufmännisches Denken mit Führung und Verantwortung verbinden will, ist hier richtig. Wer lieber rein fachlich arbeiten möchte oder wer eine tief technische Richtung einschlagen will, sollte über Alternativen nachdenken.

Stimmt die Lebenssituation?

Der Lehrgang ist eine Investition von 600 bis 800 Stunden, verteilt auf 18 bis 24 Monate berufsbegleitend. Das bedeutet zwei bis vier Abende pro Woche plus Wochenendeinsatz – spürbar, aber machbar.

Lohnt sich die Investition?

Die Kosten liegen zwischen 5.000 und 7.500 Euro, mit Aufstiegs-BAföG deutlich darunter. Das höhere Gehalt nach dem Abschluss rechtfertigt die Investition meist innerhalb von zwei Jahren.

Etappe 2: Voraussetzungen prüfen

Im zweiten Schritt wird geprüft, ob die Zulassung möglich ist. Die Verordnung lässt drei Wege zu: einschlägige Ausbildung plus ein Jahr Praxis, andere Ausbildung plus zwei Jahre Praxis oder fünf Jahre Praxis ohne Ausbildung.

Die zuständige IHK berät oft schon im Vorfeld. Wer unsicher ist, sollte früh das Gespräch suchen – es spart Zeit und Frust.

Etappe 3: Anbieter und Format wählen

Der dritte Schritt ist die Wahl des Lehrgangsanbieters und des Formats. Vier Formate stehen zur Verfügung.

Abendlehrgang: Zwei bis drei Termine pro Woche, 18 bis 24 Monate. Für Teilnehmer mit Tagesdienst geeignet.

Wochenendlehrgang: Samstage, teilweise in Kombination mit Freitagabend. Dauer ähnlich. Für Teilnehmer, die abends schwer aktiv sein können.

Vollzeitlehrgang: Fünf Tage pro Woche, 6 bis 12 Monate. Nur sinnvoll, wenn der Beruf für diese Zeit pausiert werden kann – oder wenn der Arbeitgeber freistellt.

Fernlehrgang mit Online-Modulen: Zeitlich flexibel, mit höherer Anforderung an Selbstdisziplin. Dauer 18 bis 30 Monate.

Die Wahl des Formats hängt von der Arbeitszeit, der familiären Situation und dem persönlichen Lernstil ab.

Etappe 4: Förderung beantragen

Das Aufstiegs-BAföG sollte vor oder mit Lehrgangsbeginn beantragt werden. Das Verfahren läuft über das zuständige Amt im Bundesland und dauert typischerweise vier bis acht Wochen.

50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren gibt es als Zuschuss, 50 Prozent als zinsfreies Darlehen. Bei bestandener Prüfung werden 50 Prozent des Darlehens erlassen. Der Eigenanteil liegt damit typischerweise bei 1.500 bis 2.500 Euro.

Parallel lohnt sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Viele Industriebetriebe beteiligen sich an den Kosten oder gewähren Freistellung für Lehrgang und Prüfung.

Etappe 5: Der Lehrgang

Der Lehrgang ist die längste Etappe. 600 bis 800 Stunden Präsenz oder Online-Lernen plus Eigenstudium. Die Inhalte gliedern sich in drei Blöcke: wirtschaftsbezogene Qualifikation, handlungsspezifische Qualifikation Industrie und Ausbildereignung.

Vier Grundregeln helfen durch die Zeit.

Erstens: Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Zwei Stunden pro Tag sind besser als ein ganzes Wochenende einmal im Monat.

Zweitens: Lerngruppen nutzen. Im Austausch mit anderen wird Stoff schneller verstanden.

Drittens: Praxisbezug aus dem eigenen Betrieb einbringen. Wer die eigenen Abläufe im Kopf hat, lernt schneller.

Viertens: Familie und Kollegen einbinden. Ohne Rückhalt geht es nicht.

Etappe 6: Die Prüfung

Die Prüfung besteht aus drei Teilen: der wirtschaftsbezogenen Qualifikation (schriftlich), der handlungsspezifischen Qualifikation (schriftlich plus situationsbezogenes Fachgespräch) und der Ausbildereignung (schriftlich plus praktisch).

Zwischen den Teilen liegen meist einige Wochen. Die gesamte Prüfungsphase erstreckt sich über sechs bis zwölf Monate. Bestehensquoten liegen bei 65 bis 75 Prozent im ersten Anlauf.

Was nach dem Abschluss passiert

Mit der bestandenen Prüfung kommen das Zeugnis, der Titel „Bachelor Professional in Industrial Management (CCI)" und der Darlehenserlass. Viele Absolventen nutzen den Abschluss für ein internes Gespräch über die nächste Rolle. Der Meisterbonus der Bundesländer, der auch für Fachwirte teilweise gewährt wird, wird nach der Prüfung beantragt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Weg insgesamt?

Von der Entscheidung bis zum Zeugnis 24 bis 36 Monate.

Kann ich die Fortbildung unterbrechen?

In den meisten Lehrgängen ja, allerdings mit Absprache.

Was passiert bei Durchfallen?

Nicht bestandene Teile können innerhalb von fünf Jahren wiederholt werden, meist zweimal.

Muss die AdA-Prüfung vor der Hauptprüfung sein?

Nein, sie kann parallel oder nach der Hauptprüfung abgelegt werden.

Nächster Schritt

Wer nach dem Industriefachwirt ein Studium aufnehmen will, findet die passenden Studiengänge und Anrechnungsmöglichkeiten auf der Seite Studium nach dem Industriefachwirt.