Prüfungen

Mündliche Prüfung Industriefachwirt

Wie die mündliche Prüfung zum Industriefachwirt abläuft und wie du dich auf das Fachgespräch vorbereitest.

Die mündliche Prüfung ist für viele der schwierigste Teil. Anders als die schriftliche Klausur findet sie unter Druck und im direkten Dialog statt. Wer sich gut vorbereitet, kann sie zur eigenen Bühne machen – wer nur Wissen auswendig gelernt hat, kommt schnell ins Stottern. Diese Seite zeigt Ablauf und Vorbereitung.

Was die mündliche Prüfung umfasst

Der Begriff „mündliche Prüfung" bezieht sich beim Industriefachwirt auf das situationsbezogene Fachgespräch zur handlungsspezifischen Qualifikation. Es ist der mündliche Teil der größten Prüfungsleistung und wird zusammen mit den schriftlichen Klausuren bewertet.

Das Fachgespräch dauert 30 bis 45 Minuten. Davor liegt eine Vorbereitungszeit, in der du eine praxisnahe Situationsaufgabe bekommst und dich darauf vorbereitest. Die Vorbereitungszeit beträgt typischerweise 30 Minuten.

Die praktische AdA-Prüfung ist ebenfalls eine mündliche Prüfung, wird aber separat bewertet und hat eine eigene Logik.

Aufbau des Fachgesprächs

Das Fachgespräch gliedert sich in drei Phasen.

Phase 1: Vorbereitung. Du bekommst eine schriftliche Situationsaufgabe. Darin wird ein Problem aus dem industriellen Alltag geschildert – zum Beispiel eine Reklamation, eine Umstellung der Produktion, ein Konflikt im Team, eine Investitionsentscheidung. Du hast 30 Minuten, um die Situation zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Notizen sind erlaubt und sollten gemacht werden.

Phase 2: Präsentation. Zu Beginn des Fachgesprächs präsentierst du deine Analyse und Lösungsvorschläge. Dauer typischerweise fünf bis zehn Minuten. Die Präsentation ist deine Chance, das Gespräch zu strukturieren.

Phase 3: Fachgespräch. Im Anschluss an die Präsentation stellt der Prüfungsausschuss Fragen. Sie knüpfen an die Situation an, weiten sie auf verwandte Themen aus und prüfen, ob du dein Wissen vernetzt einsetzen kannst. Hier entscheidet sich die Note.

Typische Situationsaufgaben

Die Situationsaufgaben decken die Handlungsbereiche der handlungsspezifischen Qualifikation ab. Einige Beispiele.

Investitionsentscheidung: „Ihr Unternehmen plant den Kauf einer neuen Produktionsanlage. Wie bewerten Sie die Investition, und welche Argumente bringen Sie in die Entscheidung ein?"

Kundenreklamation: „Ein Großkunde reklamiert eine Lieferung wegen Qualitätsmängeln. Wie gehen Sie mit der Situation um?"

Produktionsengpass: „Durch den Ausfall eines Lieferanten droht ein Produktionsengpass. Welche Maßnahmen ergreifen Sie?"

Personalkonflikt: „Im Team gibt es Spannungen zwischen zwei langjährigen Mitarbeitern. Wie greifen Sie ein?"

Markteinführung: „Ihr Unternehmen will ein neues Produkt einführen. Welchen Marketingplan schlagen Sie vor?"

Wie die Prüfer denken

Der Prüfungsausschuss besteht aus drei bis fünf Personen mit praktischer Erfahrung aus der Industrie, Lehre oder Kammerarbeit. Sie suchen drei Dinge.

Fachliche Richtigkeit. Die Lösung muss kaufmännisch, rechtlich und strategisch stimmen. Fehler werden abgezogen.

Strukturiertes Vorgehen. Eine gute Antwort folgt einer klaren Struktur: Situation analysieren, Optionen abwägen, Maßnahmen priorisieren, Umsetzung beschreiben.

Angemessene Führungshaltung. Wie redest du über deine Mitarbeiter? Wie gehst du mit Konflikten um? Die persönliche Ebene zählt mit.

Vorbereitung auf das Fachgespräch

Situationen üben. Lerngruppen, in denen typische Situationsaufgaben durchgespielt werden, sind die wirksamste Vorbereitung.

Präsentationstechnik trainieren. Klare Struktur, ruhige Sprache, Blickkontakt. Wer seine Präsentation vor dem Spiegel oder in der Lerngruppe übt, gewinnt an Souveränität.

Eigene Praxis aktivieren. Wer in seinem Betrieb typische Situationen erlebt hat, sollte diese im Kopf durchspielen.

Standardstrukturen verinnerlichen. Bestimmte Strukturen sollten sitzen: Investitionsrechnung, Ablauf eines Mitarbeitergesprächs, Aufbau einer Marketingstrategie. Wer diese fließend abruft, baut Vertrauen auf.

Am Prüfungstag

Rechtzeitig ankommen, ein Glas Wasser bereithalten, vor dem Gespräch tief durchatmen. Die Vorbereitungszeit voll nutzen: Notizen machen, Struktur festlegen, die zentralen Argumente unterstreichen.

Beim Eintritt in den Prüfungsraum höflich grüßen, ruhig Platz nehmen, die Präsentation strukturiert beginnen. Fragen aktiv zuhören, kurz nachdenken, strukturiert antworten.

Sprache und Haltung

Klare, konkrete Sprache. Vage Aussagen wie „irgendwie" oder „man könnte" sind Killer. Bessere Formulierungen: „Ich würde zuerst…", „Die rechtliche Grundlage ist…", „Mein Ziel wäre…". Ruhiges Sprechtempo. Selbstsichere, aber respektvolle Haltung.

Häufige Fragen

Wie viele Prüfer sind dabei?

In der Regel drei bis fünf, oft ein Vertreter der Arbeitgeberseite, ein Vertreter der Arbeitnehmerseite und ein Lehrervertreter.

Darf ich Notizen ansehen?

Ja, die Notizen aus der Vorbereitungszeit darfst du während der Präsentation nutzen.

Was ziehe ich an?

Business-casual. Hemd oder Bluse, Stoffhose, saubere Schuhe.

Was, wenn ich blockiere?

Kurz innehalten, Luft holen, die Frage wiederholen oder umformulieren.

Nächster Schritt

Wie die Weiterbildung zum Industriefachwirt finanziert werden kann und welche Förderungen dir zustehen, findest du auf der Seite Förderung der Industriefachwirt-Weiterbildung.