Prüfungen

Inhalte der Weiterbildung zum Industriefachwirt

Welche Themen und Module die Weiterbildung zum Industriefachwirt abdeckt – von Finanzen bis Führung.

Wer sich für den Industriefachwirt entscheidet, durchläuft einen klar strukturierten Lehrplan. Die Inhalte sind in der Verordnung bundesweit einheitlich geregelt – jede IHK prüft nach denselben Vorgaben. Diese Seite zeigt, welche Themen dich erwarten und wo die inhaltlichen Schwerpunkte liegen.

Wirtschaftsbezogene Qualifikation

Der erste Block vermittelt die Grundlagen des kaufmännischen Denkens und Handelns. Er ist für alle Fachwirte identisch.

Volks- und Betriebswirtschaftslehre – Marktformen, Wirtschaftskreislauf, Preisbildung, Betriebsformen, Unternehmensziele, Investitionsrechnung, Finanzierung.

Rechnungswesen – Bilanzierung, Gewinn- und Verlustrechnung, Kostenrechnung, Kosten-Leistungs-Rechnung, Kalkulation, Kennzahlensysteme. Der zahlenintensivste Teil und in vielen Prüfungen der schwierigste.

Recht und Steuern – BGB, HGB, Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Grundzüge des Steuerrechts.

Unternehmensführung – Planung, Organisation, Personalwirtschaft, Controlling auf allgemeiner Ebene.

Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen – Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Außenwirtschaft, europäische Wirtschaftsintegration.

Finanzwirtschaftliche Steuerung

Der erste Teil der handlungsspezifischen Qualifikation vertieft die Zahlen auf Industrieebene.

Kosten- und Leistungsrechnung im Industriebetrieb – Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger. Der Industriebezug bringt konkrete Anwendungsfälle aus der Produktion.

Kalkulation – Vorkalkulation von Aufträgen, Nachkalkulation, Deckungsbeitragsrechnung.

Investitionsrechnung – Statische und dynamische Verfahren zur Bewertung von Investitionen.

Finanzierung – Eigenkapital, Fremdkapital, Leasing, Factoring.

Controlling – Berichtswesen, Abweichungsanalyse, operatives und strategisches Controlling.

Produktionsprozesse

Der zweite Teil der handlungsspezifischen Qualifikation deckt die produktionsnahen Kernprozesse eines Industriebetriebs ab.

Produktionsplanung und -steuerung (PPS) – Programmplanung, Materialbedarfsplanung, Kapazitätsplanung, Terminsteuerung.

Qualitätsmanagement – QM-Systeme, Prüfverfahren, kontinuierliche Verbesserung, Schnittstellen zu Produktion und Vertrieb.

Prozessoptimierung – Methoden wie Lean Management, Kaizen, Six Sigma.

IT-Unterstützung – ERP-Systeme, MES, digitale Werkzeuge.

Marketing und Vertrieb

Der dritte Teil der handlungsspezifischen Qualifikation richtet den Blick nach außen.

Marktanalyse – Marktforschung, Zielgruppenanalyse, Wettbewerbsanalyse.

Marketinginstrumente – Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik.

Vertriebsorganisation – Innendienst, Außendienst, Key Account Management.

Kundenbindung – CRM, After-Sales, Reklamationsmanagement.

Exportgeschäft – Incoterms, Zollabwicklung, Exportdokumente.

Logistik

Beschaffungslogistik – Lieferantenmanagement, Einkaufsstrategien, Materialdisposition, Just-in-Time.

Produktionslogistik – Materialfluss, Fertigungssteuerung, innerbetrieblicher Transport.

Distributionslogistik – Transport, Lagerhaltung, Distributionszentren.

Supply Chain Management – Ganzheitliche Steuerung der Wertschöpfungskette.

Führung und Zusammenarbeit

Der personenzentrierte Bereich der handlungsspezifischen Qualifikation.

Führungsgrundlagen – Führungsstile, Motivation, Zielvereinbarung, Delegation.

Personalentwicklung – Beurteilung, Förderung, Mitarbeitergespräche.

Kommunikation – Gesprächsführung, Präsentationstechnik, Moderation.

Konfliktmanagement – Erkennen, Analysieren und Lösen von Konflikten.

Arbeitsrecht im Führungskontext – Abmahnung, Kündigung, Zusammenarbeit mit Betriebsrat.

Ausbildereignung

Die Ausbildereignung umfasst vier Handlungsfelder.

Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen. Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung mitwirken. Ausbildung durchführen. Ausbildung abschließen.

Die Inhalte decken das gesamte Spektrum der beruflichen Ausbildung ab, von der Berufswahl bis zum Übergang in die Beschäftigung.

Wie die Inhalte ineinandergreifen

Die Trennung in Blöcke ist eine curriculare Ordnung, kein didaktisches Prinzip. In der Praxis greifen die Inhalte ineinander. Wer eine Auftragsabwicklung steuern soll, braucht Kenntnisse aus Produktion, Logistik, Vertrieb und Controlling gleichzeitig.

Gute Lehrgänge nutzen deshalb fallbezogene Szenarien: Eine konkrete Situation aus dem Industriebetrieb wird von mehreren Blickwinkeln betrachtet und die entsprechenden Inhalte werden daran entwickelt. Die Prüfung orientiert sich an diesem integrierten Denken.

Häufige Fragen

Gibt es ein bundeseinheitliches Curriculum?

Ja, die Verordnung legt die Handlungsbereiche und Inhalte verbindlich fest.

Wie tief geht das Rechnungswesen?

Deutlich über das Niveau der Erstausbildung hinaus, aber nicht auf Bilanzbuchhalter-Niveau.

Werden auch Softskills behandelt?

Ja, im Bereich Führung und Zusammenarbeit.

Muss ich Mathematik können?

Grundlagen ja – vor allem für Rechnungswesen, Investitionsrechnung und Kalkulation.

Nächster Schritt

Wie die Prüfung konkret abläuft und welche Leistungen du wann erbringen musst, findest du auf der Seite Prüfung zum Industriefachwirt.