Die Fortbildung zum Industriefachwirt ist in drei große Blöcke gegliedert: die wirtschaftsbezogene Qualifikation, die handlungsspezifische Qualifikation Industrie und die Ausbildereignung. Jeder Block hat eigene Inhalte und eigene Prüfungen. Diese Seite gibt den kompakten Überblick – als Einstieg für alle, die den Aufbau verstehen wollen, bevor sie tiefer in die einzelnen Teile gehen.
Drei Blöcke, ein Abschluss
Der Industriefachwirt folgt einer klar geregelten Verordnung. Sie sieht drei Blöcke vor, die zusammen den Abschluss ergeben.
Block 1 – Wirtschaftsbezogene Qualifikationen. Der branchenübergreifende Grundlagenteil, der für alle Fachwirte gleich ist. Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Recht und Steuern, Unternehmensführung. Diese Inhalte sind fachrichtungsunabhängig.
Block 2 – Handlungsspezifische Qualifikationen Industrie. Der industriespezifische Kern. Hier stehen die Themen im Mittelpunkt, die der Industriefachwirt im Betrieb tatsächlich braucht: Finanzwirtschaftliche Steuerung, Produktionsprozesse, Marketing und Vertrieb, Logistik, Führung und Zusammenarbeit.
Block 3 – Ausbildereignung (AdA). Die pädagogische Basis für die Ausbildung von Nachwuchskräften. Vier Handlungsfelder, eine eigene Prüfung, ein eigenes Zeugnis, das auch außerhalb des Fachwirt-Abschlusses gilt.
Block 1 im Detail
Die wirtschaftsbezogene Qualifikation ist der erste Schritt. Sie besteht aus fünf Handlungsbereichen.
Volks- und betriebswirtschaftliches Handeln vermittelt die Grundlagen der Marktwirtschaft, der Unternehmensformen, der Finanzierung und der Investitionsrechnung.
Rechnungswesen deckt Buchhaltung, Bilanzanalyse, Kostenrechnung und Kosten-Leistungs-Rechnung ab. Ein umfangreicher und klausurrelevanter Teil.
Recht und Steuern behandelt Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und grundlegende Steuerfragen.
Unternehmensführung deckt Planung, Organisation, Personalwirtschaft und Controlling auf einer allgemeinen Ebene ab.
Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen beleuchten den größeren wirtschaftlichen Kontext.
Die wirtschaftsbezogene Qualifikation endet mit einer schriftlichen Prüfung, die alle fünf Handlungsbereiche abdeckt.
Block 2 im Detail
Der handlungsspezifische Teil ist der Kern. Er besteht aus fünf Handlungsbereichen.
Finanzwirtschaftliche Steuerung eines Industriebetriebs ist der zahlenorientierte Teil. Er deckt Investitionsrechnung, Finanzierung, Controlling und betriebliche Kennzahlen im Industriekontext ab.
Produktionsprozesse behandelt Produktionsplanung und -steuerung, Auftragsabwicklung, Qualitätsmanagement und Prozessoptimierung.
Marketing und Vertrieb umfasst Marktanalyse, Marketingmix, Vertriebsstrategie, Kundenbindung, Außendienststeuerung und Preispolitik.
Logistik deckt Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik ab. Auch die Schnittstellen zur IT werden behandelt.
Führung und Zusammenarbeit ist der personalbezogene Teil: Personalführung, Personalentwicklung, Kommunikation, Konfliktmanagement.
Die handlungsspezifische Qualifikation wird in zwei Stufen geprüft: zuerst schriftlich (drei Klausuren), dann mündlich in einem situationsbezogenen Fachgespräch.
Block 3 im Detail
Die Ausbildereignung basiert auf der AEVO und umfasst vier Handlungsfelder.
Erstens: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen. Zweitens: Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken. Drittens: Ausbildung durchführen. Viertens: Ausbildung abschließen.
Die AdA-Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil mit 60 Fragen und einem praktischen Teil, in dem eine Ausbildungssituation durchgeführt oder präsentiert wird.
Prüfungsstruktur auf einen Blick
Insgesamt legst du sechs Prüfungsleistungen ab.
Erstens die schriftliche Prüfung zur wirtschaftsbezogenen Qualifikation, integriert über die fünf Handlungsbereiche. Zweitens bis viertens drei schriftliche Klausuren zur handlungsspezifischen Qualifikation. Fünftens das situationsbezogene Fachgespräch. Sechstens die AdA in schriftlicher und praktischer Form.
Die Reihenfolge kann variieren. In den meisten Lehrgängen wird die wirtschaftsbezogene Qualifikation zuerst geprüft, dann folgt die handlungsspezifische schriftliche Prüfung und am Ende das Fachgespräch. Zwischen den Prüfungsteilen liegen meist einige Wochen, sodass die Gesamtprüfungszeit sechs bis zwölf Monate umfasst.
Bewertung und Bestehen
Jeder Prüfungsteil wird für sich bewertet. Bestanden ist, wer in allen Teilen mindestens ausreichend erreicht. Eine Kompensation zwischen den Blöcken gibt es nur in engen Grenzen.
Bei Nichtbestehen kann jeder Teil innerhalb von fünf Jahren zweimal wiederholt werden. Wer einen Teil nicht besteht, muss nur diesen Teil wiederholen, nicht die gesamte Prüfung.
Bestehensquoten liegen über alle Teile hinweg bei etwa 65 bis 75 Prozent im ersten Anlauf.
Zeitlicher Rahmen
Der Lehrgang umfasst insgesamt 600 bis 800 Unterrichtsstunden. Verteilt auf 18 bis 24 Monate berufsbegleitend ergeben sich sechs bis zehn Stunden Präsenz pro Woche plus Eigenstudium. Im Vollzeitmodell dauert der Lehrgang sechs bis zwölf Monate.
Häufige Fragen
Nein, die Teile werden nacheinander geprüft.
Ja. Die AdA kann unabhängig abgelegt werden und ist als eigener Nachweis gültig.
Eine Prüfungsaufgabe, die mehrere Handlungsbereiche verbindet und an einer Praxissituation ausgerichtet ist.
Ja, es ist eine eigene Prüfungsleistung.
Nächster Schritt
Wer die Inhalte der Weiterbildung im Detail verstehen will – Thema für Thema, Modul für Modul – findet sie auf der Seite Inhalte der Weiterbildung zum Industriefachwirt.